Decoder @Kulturwerft Gollan, Lübeck

01.12.2021. 20:00

Dissociated Press
für Ensemble und Zuspielung (2017-2021)
von Leopold Hurt

 

„Dissociated Press“ ist eine Serie von Kompositionen, die als Work-in-progress seit 2017 laufend fortgeschrieben wird. Dabei rangiert die Instrumentation vom Solostück mit Elektronik bis hin zum Septett – speziell konzipiert für die charakteristische Besetzung des Decoder Ensembles. „Dissociated Press“ – als Wortspiel angelehnt an „Associated Press“ – benennt einen Algorithmus zur automatischen Generierung von Texten auf der Basis bekannter Sprachmuster. Davon abgeleitet vereint der Zyklus verschiedene Herangehensweisen an das Prinzip „Remix“, ein Gattungsbegrif, der bestimmend ist für die Kunst im digitalen Zeitalter. Dieses Prinzip wird sowohl auf der Ebene der Sprache als auch der Musik angewandt, als ständiges Spiel zwischen Original, Abbild und „Fake“. Jede Einzelkomposition ist gepaart mit elektronischen Audio- und Videozuspielungen, die multimedial Bezüge zu autonomen Algorithmen und Datenströmen des Internets herstellen.

So liegt dem Stück „Dissociated Press – Final“ beispielsweise ein automatisch erstelltes Textkonvolut zu Grunde. Die sprachlichen Elemente sind zwar bekannt, ergeben jedoch im Zusammenhang keinen übergeordneten Sinn. Semantische Passagen blitzen nur kurzzeitig und eher zufällig auf, z.B. wenn sich der Text scheinbar auf Themen wie Computersoftware oder elektronische Clubszene bezieht. Für die Musik diente der Song „Blinded by The Lights“ der britischen Rap-Gruppe „The Streets“ als eigentliche Klangquelle. Tonhöhen und Rhythmen des Tracks wurden mit dem Computer analysiert und das abstrakte Ergebnis wiederum für Ensemble transkribiert. Im Verlauf wird der gewonnene Klangvorrat neu zusammengesetzt und analog zu den Textbausteinen in kurzen Sequenzen abgerufen. Das Ergebnis ist eine Remix-Form, in der die üblichen Wahrnehmungsebenen von Original und Neuinterpretation nicht klar defniert sind.

Das fnale Ensemblestück „Dissociated Press“ ist zugleich Endpunkt und Ursprung der Werkreihe. In den vorangehenden Stücken werden jeweils einzelne Aspekte des endgültigen Materials aufgegrifen und auf charakteristische Weise verarbeitet. Kein Stück gleicht dem anderen.

 

 

Tickets: https://kulturwerft-gollan.de

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